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Dokumentation des arbeitsmarktpolitischen
Pilotprojektes TRA.FO
Qualifizierung und Beratung für kleine
und mittlere Unternehmen in Rheinland-Pfalz, 1996-2000
Ein arbeitsmarktpolitisches Projekt im Auftrag
und gefördert durch die Europäische Union (im Rahmen der
Gemeinschaftsinitiative ADAPT) und das Ministerium für Arbeit,
Soziales und Gesundheit Rheinland-Pfalz
Text und Redaktion: Oliver Diettrich
Inhalt
Vorwort
1. Einleitung
2.
Qualifizierung und Beteiligung
3.
Qualifizierungsmaßnahmen im Projekt TRA.FO
4. Beschreibung
und Diskussion der Ergebnisse zum Beratungsthema Veränderung
der Arbeitsorganisation
4.1.
Einleitung
4.2.
Die Unternehmen
4.3.
Strategische Ausrichtung der Organisationsveränderungen
4.4.
Rahmenbedingungen, Marktposition, Wettbewerbsfähigkeit
4.5.
Arbeitsbedingungen, Motivation, Arbeitszufriedenheit
4.6.
Beschäftigung und Personalbedarf
4.7.
Kooperation und die Rolle der betrieblichen Interessensvertretung
4.8.
Rolle und Interventionen der externer BeraterInnen
4.8.1.
Grundlagen der Beratung
4.8.2.
Zielorientierung und Unsicherheitstoleranz im Prozess
5.
TRA.FO MultiplikatorInnenseminare
5.1
Konzeptüberlegungen
5.2
Form und Inhalte des Seminars
5.3
Seminarziele
5.4
Fazit
6.
Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse - Bewertung der Projektzielerreichung
6.1
Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, Sicherung von Beschäftigung
6.2
Sensibilisierung für des Thema betriebliche Weiterbildung
7. Anhang:
Statistiken
Vorwort
Mit dieser Ausgabe unserer Schriftenreihe schließen
wir nach fünf Jahren erfolgreich das arbeitsmarktpolitische
Projekt TRA.FO ab und möchten die Ergebnisse der interessierten
Öffentlichkeit vorstellen.
Der Ansatz im Projekt TRA.FO, der auch in anderen
arbeitsmarktpolitischen Projekten angewandt wurde (siehe z. B. Dokumentation
Chance Weiterbildung) hat eine erhebliche Auswirkung auf unsere
Arbeit, unser Bildungsverständnis und damit auf die Qualität
unseres Angebotes. Da wir auf diesen Erfahrungen der vergangenen
Jahre unsere neuen Projekte - gekoppelt mit einigen Innovationen
- entwickelt haben und umsetzen werden, möchten wir denjenigen,
die sich ausführlicher mit unserem Ansatz beschäftigen
wollen, mit dieser Dokumentation die Gelegenheit dazu bieten.
Mit dieser Arbeits- und Ergebnispräsentation
weichen wir etwas von unserem bisherigen Stil der Darstellungen
ab. Wir möchten - auch in Zeiten der "Schnelllesigkeit" - eine
fundierte Beschreibung unserer inhaltlichen Arbeit liefern.
Für alle, die der "Schnelllesigkeit" frönen
wollen oder müssen, empfehlen wir Kapitel 1, 2 und 6. Ich wünsche
Ihnen eine spannende Lektüre und freue mich auf fruchtbare
Diskussionen.
Wir danken unseren Förderern, dem Ministerium
für Arbeit, Soziales und Gesundheit Rheinland-Pfalz und der
Europäischen Union (Gemeinschaftsinitiative ADAPT im ESF),
sowie all unseren Kooperationspartnern für die wertvolle Zusammenarbeit.
Mainz, den 27. April 2001
Gabriele Schneidewind
Geschäftsführerin
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1. Einleitung
TRA.FO war ein arbeitsmarktpolitisches Pilotprojekt
mit dem Arbeit und Leben in Rheinland-Pfalz von 1996 bis 2000 kleine
und mittlere Unternehmen (KMU) bei der Bewältigung von Wettbewerbsanforderungen
unterstützt haben hat.
Unseremn Angeboten und Leistungen Ansatz lag
die Annahme zu Grunde, dass die Antworten auf den aktuellen Veränderungsdruck
in den Unternehmen viel mit den Potentialen der beschäftigten
MitarbeiterInnen zu tun haben.
Die gegenwärtig zu vernehmende Rede von
der notwendigen "Flexibilisierung" oder "Kundenorientierung" der
Geschäftsprozesse und -leistungen kommt immer wieder auf den
zentralen Stellenwert der "human ressource" für die Überlebens-
und Entwicklungsfähigkeit von Unternehmen zu sprechen. Der
Reiz der in diesem Zusammenhang diskutierten Konzepte zu "mitarbeiterorientierten
Führungsstilen", zur Delegation von Kompetenzen, oder zur prozess-
und personenorientierten Anreicherung von Arbeitsinhalten liegt
in der Chance, die aktuellen unternehmerischen Notwendigkeiten mit
einer Aufwertung von Rolle und Funktion der Beschäftigten unmittelbar
zu verbinden: Dem Prinzip nach sollten beide Seiten - ArbeitgeberInnen
und ArbeitnehmerInnen - nach Art einer win-win-Strategie gewinnen
können.
Mit Das Projekt TRA.FO haben hat wir uns dieser
diese Idee verpflichtetverfolgt. Unser Ansatz Konzept war darauf
ausgerichtet Qualifizierungsstrategien zu befördern, die die
Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit mit der Sicherung und
qualitativen Verbesserung der Beschäftigung unmittelbar verbinden.
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Die Projektziele in TRA.FO:
Sicherung von Beschäftigung und Beschäftigungsfähigkeit
durch Qualifizierung - Sensibilisierung der Entscheidungsträger
für das Thema "betriebliche Weiterbildung". Durch bedarfsgerechte
Qualifizierung galt es die Beschäftigten "aufzuwerten" und
dadurch für den betrieblichen Wertschöpfungsprozess
"unentbehrlich" zu machen.
- Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
der Unternehmen angesichts dynamischer Märkte und wachsender
Kundenanforderungen.
- Förderung einer beteiligungsorientierten
Unternehmenskultur, in der die Interessen und Belange der Beschäftigten
besser zur Geltung gebracht werden können.
Diese Zielsetzungen schließen
an das Zielsystem der Gemeinschaftsinitiative ADAPT der Europäischen
Union an, in deren Auftrag und Rahmen TRA.FO erfolgte (an vorderster
Stelle stehen hier die Beschäftigungssicherung und die Wettbewerbsfähigkeit).
Gab
es für ein solches Projekt die entsprechende Nachfrage in der
KMU-Landschaft in Rheinland-Pfalz? Sind wir mit unseren Angeboten
und unserem Ansatz auf offene Türen gestoßen? Die Resonanz
auf unser Angebot war mehr als zufriedenstellend. Ausschlaggebend
dafür war eine flexible und bedarfsgerechte Angebotsgestaltung
in Verbindung mit einem weitreichenden Netzwerk aus FachberaterInnen
und TrainerInnen, das es uns ermöglichte, auf die jeweiligen
einzelbetrieblichen Problemanforderungen angemessen zu reagieren.
Mit
dem Angebot der öffentlichen Förderung wurden darüber
hinaus wichtige Anreize für ein verändertes Weiterbildungsverhalten
in den Unternehmen gesetzt. Zwei empirische Untersuchungen der betrieblichen
Weiterbildungslandschaft in Rheinland-Pfalz und im Saarland kommen
zu dem Ergebnis, dass das Weiterbildungsverhalten in KMU überwiegend
- von unmittelbar betriebsnotwendigen Bedarfen
geprägt ist (Anpassungsqualifizierungen im Zuge technologischer
Innovationen) und
- einer "verkürzten Wahrnehmung hinsichtlich
zukünftiger Qualifikationsanforderungen" unterworfen ist.
(Vgl. Schmid/Wagner S. 91)
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Sie knüpfen die Rechtfertigung
des Einsatzes öffentlicher Gelder im (privatwirtschaftlichen)
Bereich der betrieblichen Weiterbildung an die Förderung "weicher"
Qualifikationen und Kompetenzen, die oftmals nicht in der Alltagsperspektive
unternehmerischen Handelns liegen. Diese sozialen Qualifikationen
zeichnen sich dadurch aus, dass sie zum einen marktgängig sind
(d.h. nicht ausschließlich betriebsspezifisch definiert sind)
und damit die allgemeinen Beschäftigungschancen auf dem Arbeitsmarkt
verbessern. Zum anderen werden diese Qualifikationen künftigen,
längerfristig wirksamen Anforderungen des wirtschaftlichen Strukturwandels
gerecht. In
dieser Zielperspektive hatte der beteiligungsorientierte Ansatz im
Projekt TRA.FO eine dreifache Bedeutung:
- Er sichert entscheidend - wie noch zu erläutern
sein wird - die Zielerreichung und den Maßnahmeerfolg ab,
- er ermöglicht im Verlauf der gesamten
Maßnahme, im Sinne eines "geheimen Lehrplans", das praktische
Einüben insbesondere sozialer und methodischer Kompetenzen,
- er sensibilisiert insbesondere die Führungskräfte
für die "soziale Rationalität" und den sozialen Bedingungsreichtum
erfolgreicher Veränderungsprozesse in Organisationen.
Mit der vorliegenden Dokumentation wollen
wir die Ergebnisse unserer "Bildungsarbeit" in und für KMU einer
interessierten Öffentlichkeit vorstellen. Im
Abschnitt "Diskussion der Projektergebnisse" konzentrieren wir uns
dabei auf jene Teilprojekte, in denen die Weiterbildung der Beschäftigten
eng mit der "Weiterbildung der Organisation" (Veränderung der
Arbeitsorganisation und Gruppenarbeit) verbunden wurde. Tritt in diesen
Fällen doch die Frage nach den Erfolgsbedingungen von "Qualifizierung
als Wettbewerbsstrategie" in ihrer ganzen Vielfältigkeit und
ihrem Bedingungsreichtum auf. Die
Ergebnisse der thematisch anders gelagerten Maßnahmen werden
in die abschließende Zusammenfassung mit einfließen. Im
Kapitel 5 gehen wir auf drei Seminarkonzepte ein, die wir vor dem
Hintergrund der Erfahrungen in TRA.FO für Betriebsratsgremien
entwickelt und durchgeführt haben. Zuvor
wollen wir aber einen Einblick in unser Verständnis des Zusammenhangs
von "Qualifizierung" und "Beteiligung" als den beiden Eckpunkten des
Projektes TRA.FO und eine Übersicht auf die nachgefragten Qualifizierungsthemen
geben.
Mitglieder einer Fertigungsgruppe bei
einem Pumpenhersteller
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2.
Qualifizierung und Beteiligung Der
Anforderungs- und Bedingungsreichtum von Qualifizierungsmaßnahmen
wird augenscheinlich, wenn man einen Perspektivwechsel vornimmt: Von
der üblichen Auftraggebersicht - die MitarbeiterInnen werden
qualifiziert - hin zur Betroffenensicht - die MitarbeiterInnen lernen
etwas. Weiterbildung jeglicher Art als einen aktiven Lern- anstatt
eines passiven Vermittlungsprozess zu begreifen scheint uns eine Grundvoraussetzung
für ihre Bewährung in der Praxis zu sein. Während
der Auftraggeber im Zusammenhang mit betrieblicher Weiterbildung in
erster Linie das Interesse am "FortschrittNeuen" und , an der "Verbesserung"
hat (neue Fähigkeiten bezogen auf eine als gegeben betrachtete
Situation; so zum Beispiel Anwendungs- und Anpassungsqualifizierungen
oder ein Mehr an Verantwortungsübernahme, Kundenorientierung
oder Qualitätsbewusstsein), stellt sich für die betroffenen
Beschäftigten das Thema Weiterbildung umfassender als ein Veränderungsprozess
dar, der bewältigt sein will. Gerade unter der Bedingung lang
eingeübter Arbeitspraxen in einem tradierten organisatorischen
Umfeld bedeutet Lernen von Neuem auch immer das Verlernen von Altem
(Einstellungen, Handlungsmuster und Routinen). Lernen als ein gelungener
Veränderungsprozess von Personen beinhaltet demnach einen Ablösungsprozess
der ebenso motiviert erfolgen muss, wie die Aneignung von neuem Wissen,
Einstellungen und Verhaltensweisen.
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In
Ergänzung zum vorherrschenden zielorientierten, planvollen, nach
vorne ausgerichteten Managementhandeln, haben wir in unserer Beratungstätigkeit
verstärkt das Augenmerk auf die bestehende Organisationspraxis
gelegt und diese berücksichtigt. Diese enthält in aller
Regel sowohl Beharrungskräfte verschiedenster Art als auch verborgene
Potentiale, die für die Veränderung nutzbar gemacht werden
können. Ein anschauliches Beispiel für mögliche Kräfte
der Beharrung war in einem kleinen, metallverarbeitenden Unternehmen
das Fortleben der "Zettelwirtschaft" in der Feinplanung des Materialflusses
nach Einführung eines entsprechenden EDV-Systems; aus Sicht der
Beschäftigten erschien dieses Verfahren einfach "praktischer".
Das Installieren von Hard- und Software samt Schulung erfasste offensichtlich
nicht den gesamten Veränderungsbedarf. Eine solche Praxis des
"Sich-Durchwurschtelns" wie wir sie gerade in kleinen Fertigungsbetrieben
häufiger gefunden haben, ist aber in einer anvisierten Veränderungsperspektive
nicht nur negativ zu bewerten. Ein anderes Beispiel aus einem anderen
Unternehmen zeigt dies: hier waren die Werker in der Fertigung ständig
auf dem "kleinen Dienstweg" am Suchen und "Organisieren" von Material,
Werkzeug etc.. Es konnte davon ausgegangen werden, dass die Arbeitsorganisation
nicht wegen sondern trotz der formellen Planungs- und Steuerungssysteme
funktionierte. Darin kommt ein starkes Engagement der Beschäftigten,
"die Dinge richtig zu machen" zum Ausdruck - trotz widriger Umstände.
Die Rede von der "Selbstorganisation", wie sie von den OrganisationsberaterInnen
Baumgartner u.a. geführt wird trifft dieses Phänomen sehr
gut. Sie meinen damit ein spontanes, informelles und nicht durch planerische
Eingriffe gelenktes Handeln, dass sich aus dem Bedürfnis der
Menschen nach einer gewissen Sicherheit und Ordnung speist. Die Phänomene
des kleinen Dienstwegs, des Erfindungsreichtums unter Mangelbedingungen
oder informeller Austauschrunden gehören dazu.
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Und
auf noch etwas anderes weist dieses Phänomen hin: das die Menschen
(nicht nur in den Betrieben) in aller Regel motiviert sind und nicht
motiviert werden müssen. Gerade
mit Blick auf die Flexibilitätserfordernisse kann es also nicht
Ziel sein, die Zonen der Selbstorganisation und des motivierten Handelns
grundsätzlich zugunsten einer detaillierteren Planung und Steuerung
auszutrocknen. (Baumgärtner u.a. gehen davon aus, dass "Organisationen
(und Unternehmen im speziellen) viel zu komplex sind, um bis ins Detail
geführt, gestaltet und beherrscht zu werden" (vgl. S. 29). Sinnvoller
erscheint es uns, die Potentiale der Selbstorganisation im Sinne der
Unternehmensziele einzubinden und produktiv werden zu lassen. Andere
Faktoren, die sich nachteilig auf den Lern- und Praxiserfolg von Organisationsveränderungen
auswirken können, sind implizite Veränderungen im Statusgefüge,
die, wenn sie nicht zur Sprache gebracht werden, leicht zum "Sand
im Getriebe" werden können. Ängste vor Überforderung
oder schlicht vor jeglicher Veränderung der Tätigkeitszuschnitte
und Arbeitsbedingungen können ebenso Reibungsverluste verursachen.
Es ist nicht davon auszugehen, trotz oder gerade wegen der landläufigen
Reden von der Notwendigkeit "lebenslangen Lernens", dass lernungewohnte
Beschäftigte das Angebot und die Aufforderung zur Weiterbildung
und persönlichen Veränderung vorbehaltlos begrüßen
werden. Vor
diesem Hintergrund sehen wir es als die entscheidende Herausforderung
beteiligungsorientierter Veränderungsprozesse an, für Transparenz
und Kommunikation zu sorgen: Transparenz sowohl hinsichtlich der Ist-Situation
des Unternehmens wie auch der angestrebten Soll-Situation bzw. der
verfolgten Ziele. Im Rahmen der Ist-, Problem- und Bedarfsanalyse
kann durch Befragung und Einbeziehung der betroffenen Beschäftigten
vielfältiges Prozess- und Problemwissen zu Tage gefördert
werden und in die Planungen Eingang finden. Viele Umsetzungsprobleme
insbesondere bei umfangreicheren Organisationsveränderungen wurden
bzw. wären auf diesem Wege, so unsere Erfahrung, antizipierbar
(gewesen). Zugleich
gilt es, gewissermaßen auf dem umgekehrten Wege von oben nach
unten, Transparenz bezüglich der Ziele und Erwartungen, sowie
der (wirtschaftlichen) Rahmenbedingungen des aktuellen unternehmerischen
Handelns zu schaffen. In
den unterschiedlichen Phasen eines Veränderungs- und Lernprozesses
kommt dem Prinzip Beteiligung also eine jeweils besondere Bedeutung
zu:
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- Während der Ist- und Problemanalyse
sichert der Einbezug der betroffenen Beschäftigten und ihrer
Perspektiven (zumindest über VertreterInnen in den Projektgremien)
eine möglichst vollständige Bestandsaufnahme. Vorhandene
Wissensbestände, Kompetenzen, Ressourcen und Kapazitäten
werden absehbar und können in die Qualifizierungsplanung
einfließen.
- Im Rahmen der Soll-Analyse und Bedarfsermittlung
können frühzeitig Ideen, Wünsche und Interessen
der Beschäftigten berücksichtigt und mit den unternehmerischen
Erfordernissen abgeglichen werden. Insbesondere können eventuelle
Transferhindernisse (Beharrungskräfte) erkannt und ausgeräumt
werden.
- In der Durchführung fördert die
teilnehmerInnenzentrierte Gestaltung des Lernfeldes sowie Praxis-
und Reflexionsphasen den Lernerfolg.
- Die Auswertung der Praxiserfahrungen der
TeilnehmerInnen in ihrem Funktionsfeld (der Arbeit) lenkt den
Blick auf Defizite und weitere Steuerungsbedarfe.
Im Sinne unserer Projektziele stellt die beteiligungsorientierte
Gestaltung der Lern- und Veränderungprozesse einen ersten Schritt
hin zu einer lernenden Organisation dar (das Unternehmen lernt über
sich selbst). Im Vordergrund steht dabei die praktische Erfahrung
funktionsübergreifender Kommunikation und Kooperation, und die
Aufwertung von verborgenen Wissens- und Kompetenzbeständen in
den Augen der MitarbeiterInnen wie der Führungskräfte.
Plenum im Seminar "Gestaltungskompetenz
für Betriebsräte"
Bendorf, September 2000
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3. Qualifizierungsmaßnahmen
im Projekt TRA.FO Während des
gesamten Projektzeitraums haben sich 91 Firmen an dem Projekt beteiligt.
Über 3500 Qualifizierungs- bzw. Beratungsstunden wurden geleistet.
Der
Anlass für die Kooperationen konnten verschiedener Art sein:
- Die Wahrnehmung eines Veränderungsdrucks
seitens einzelner Entscheidungsträger oder des Betriebsrates,
die in der Beratung zu einer innovativen Antwort aufgearbeitet
werden sollte.
- Die strategisch inspirierte Idee, bestimmte
Dinge im Unternehmen zu verbessern (Kundenorientierung) oder bestimmte
Prozesse und Organisationsformen einzuführen (Gruppenfertigung,
QM-Systeme oder KVP) ohne intern über die erforderlichen
Kompetenzen und Ressourcen zu verfügen.
- Die konkrete Planung einer technologischen
Innovation (z. B. PPS-Systeme) für die eine Anpassungsqualifizierung
organisiert werden soll.
- Ausgehend von einem bereits erkannten Bedarf
und einer bestehenden Bildungsplanung aber einem Mangel an finanziellen
Ressourcen wurde die Unterstützung durch Arbeit und Leben
angefragt.
Die Maßnahmen unterschieden sich
stark hinsichtlich der Intensität und Dauer der einzelnen Maßnahmephasen
(Ist- und Soll-Analyse, Bedarfsermittlung, Planung, Durchführung
und Auswertung). Der thematischen Vielfalt der Bedarfe konnten wir
mit einem weitreichenden Netz an Kooperationspartnern gerecht werden.
Im Folgenden sind die Maßnahmen nach Themenbereichen sortiert:
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a) Arbeitsorganisation und angrenzende
Themen (insgesamt 11 Unternehmen). Im Vordergrund stand hierbei in
der Regel das Ziel der Verbesserung der Kundenorientierung im Sinne
verkürzter, flexibler und garantierter Lieferzeiten sowie verbesserter
Produktqualität. Die Maßnahmen bezogen sich insbesondere
auf:
- Einführung und Verbesserung von Gruppenarbeit
in der Fertigung und daran angepasste Lohnmodelle in metallverarbeitenden
Unternehmen
- Entwicklung von Lager- und Fertigungskonzeptionen
in metallverarbeitenden Unternehmen
- Entwicklung und Einführung neuer
Arbeitszeitmodelle in metallverarbeitenden Unternehmen
b) Marketing und angrenzende Themen.
(insgesamt 15 Unternehmen)
- Qualifizierung des Verkaufspersonals einer
mittelständischen Bäckereikette
- Entwicklung eines Konzepts zur Verbesserung
der Einnahmenseite einer sozialen Einrichtung unter anderem
mittels Sozial-Sponsoring
- Moderation und Beratung einer Baugewerkekooperation
mit dem Ziel von Angebotserstellungen "aus einer Hand".
c) Konfliktberatung und Coaching (insgesamt
4 Unternehmen)
- Konfliktberatung und Mediation im Zusammenhang
mit der Arbeitsbelastung in Einrichtungen des Gesundheitswesens
- Führungskräftecoaching in einem
Kleinstunternehmen (Handwerk) anlässlich eines Generationenwechsels
d) Unternehmensentwicklung (insgesamt
2 Unternehmen)
- Beratung anlässlich einer Wachstumsstrategie
und der Gründung von zwei Filialen eines Unternehmens im
Frisörbedarfshandel
- Einführung eines Qualitätsmanagementsystems
in einem Personentransportunternehmen
e) Fachqualifizierungen (insgesamt 35
Unternehmen)
- Eine thematisch breit angelegte, betriebsübergreifende
Managementschulung (BWL, Marketing, Personalführung) für
Meister im Kfz-Handel.
- Verschiedene einzel- und überbetriebliche
EDV-AnwenderInnen-Qualifizierungen
- Telefontraining im Vertrieb
- Qualifizierung des Fahrpersonals eines
Personentransportunternehmens (Fahrsicherheit und Fahrökonomie)
f) Als Antwort auf die Arbeitsanforderungen
von Betriebsräten haben wir folgende Angebote entwickelt und
durchgeführt: (insgesamt 23 Unternehmen)
- eine EDV-Reihe in enger Anbindung an die
aktuellen Anforderungen der Betriebsratsarbeit.
- ein Seminarkonzept zum Thema "Kommunikation
im Betrieb - Betriebs(rats)zeitungen machen".
- ein Seminar "Gestaltungskompetenz" mit
dem Thema Projektmanagement für Betriebsräte.
- Rhetorik und Verhandlungsführung
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4.
Beschreibung und Diskussion der Ergebnisse zum Beratungsthema Veränderung
der Arbeitsorganisation
4.1. Einleitung
Nach fünf Jahren ist das Projekt
TRA.FO reich an Ergebnissen. Als Ergebnis fassen wir zunächst
alles auf, was im Projekt "augenscheinlich" geworden ist und einen
Einfluss auf das Erreichen der Projekt- wie auf die Maßnahmeziele
hatte.
Dazu gehören Veränderungen
(aber auch ausgebliebene Veränderungen) auf den Ebenen der
Organisation (Aufbau und Abläufe) sowie auf der Ebene des Verhaltens
und Handelns und der Einstellungen der Unternehmensmitglieder. Die
Bewertung dieser Ergebnisse muss im Hinblick auf ihre "Zieldienlichkeit"
und auf ihren Problemlösungsbeitrag erfolgen.
Aus unserer "Pilotprojektperspektive"
stellt sich darüber hinaus die Frage der Effektivität
und der Effizienz unseres verfolgten Beratungs- und Qualifizierungsansatzes
angesichts sehr unterschiedlicher "Kundenanforderungen".
Im Folgenden wollen wir die beratungs- und
kundenseitigen Ergebnisse auf kritische Faktoren hin abklopfen:
Welche Erfolgs- und Misserfolgsbedingungen lassen sich für
beteiligungsorientierte, extern unterstützte Veränderungsstrategien
bezüglich der Arbeitsorganisation von kleinen und mittleren
Fertigungsbetrieben festmachen?
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Zumindest drei Einflussfelder sind dabei zu unterscheiden:
- die markt- und kundenseitigen Rahmen- und
Handlungsbedingungen der Unternehmen (Umwelt)
- das Unternehmen selbst samt seiner Ressourcen
(Klientensystem)
- die externe Beratung mit ihrem Interventionsinstrumentarium
(Beratersystem)
Kriterien für einen Maßnahmeerfolg
im Einzelnen waren:
- Geleisteter Beitrag zur Problemlösung
/ Verbesserung der aktuellen Wettbewerbsposition
- Sicherung von Beschäftigung / Verhinderung
von Personalabbau
- Nachhaltige Praxis beteiligungsorientierter
Arbeitsorganisation
- Lernerfolg der Beschäftigten hinsichtlich
der neuen arbeitsorganisatorischen Anforderungen / Verbesserung
des Qualifikationsprofils insbesondere gering qualifizierter Beschäftigter
- Verbesserung der Arbeitssituation / Arbeitszufriedenheit
Die von uns beobachteten Ergebnisse
ordnen wir im Folgenden (Kapitel 4.3.ff) verschiedenen Themenkomplexen
zu. 4.2.
Die Unternehmen
In insgesamt 11 Unternehmen
haben wir Maßnahmen im Bereich der Arbeitsorganisation unterstützt.
Bis auf zwei Unternehmen (Büromöbelhersteller
und ein Hersteller von technischen Kunststoffen) waren alle im Bereich
der Metallverarbeitung tätig. Vier Unternehmen waren Zulieferer
für die Automobilindustrie. Die weiteren Unternehmen waren
Endhersteller in den Bereichen Pumpen, Lager- und Kommissionierungstechnik,
Heimwerkerausstattungen, Blechpackungen und Abgastechnologie.
8 Unternehmen hatten einen Betriebsrat,
der in die Prozesse mit einbezogen wurde.
Gemeinsam war allen Unternehmen, dass
sie eine innerbetriebliche Antwort auf eine oder mehrere Kundenanforderungen
wie Preissenkung, Liefergenauigkeit, Ausstoßerhöhung,
schwankende und kurzfristige Abrufzahlen, Ausweitung der Produktspezifikationen
und Produktqualität finden mussten. Für den Bereich Arbeitsorganisation
liefen diese Anforderungen auf die Lösung des "magischen Vielecks"
aus Prozessbeschleunigung, Flexibilität, Qualitätsverbesserung
und Kostensenkung heraus.
Für den Beratungserfolg maßgebliche
Unterschiede betrafen
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- die jeweilige Vorgeschichte (Erfahrungen
mit bestimmten Problemlösungs- und Rationalisierungsstrategien
in der Vergangenheit und insbesondere Erfahrungen mit Gruppenarbeit)
- die Rahmenbedingungen des unternehmerischen
Handelns (Marktposition, Kundenstruktur, Produktprofile, technologische
Ausstattung)
- die jeweiligen Unternehmenskulturen (Führungsstile,
Kooperationsverständnis - auch mit dem Betriebsrat, Weiterbildungsverhalten)
Die bezüglich des Themas Arbeitsorganisation
vereinbarten Veränderungsziele variierten demnach von "Einführung
von Gruppenarbeit" über "Optimierung der bestehenden Gruppenarbeit"
bis "Entwicklung spezifischer Module im Rahmen von Gruppenarbeit"
(Entlohnungssystem, Arbeitszeitsystem). In einem Falle bezog sich
die Veränderung nicht auf Gruppenarbeit sondern auf die Entwicklung
eines Lager- und Kommissionierungsdesigns.
4.3.
Strategische Ausrichtung der Organisationsveränderungen
Gruppenarbeit kann ein arbeitsorganisatorisches
Instrument zur Optimierung der Prozesse angesichts von wachsenden
Kundenanforderungen bezüglich Flexibilität, Qualität
und Liefergenauigkeit sein. In der Diskussion zum Thema Gruppenarbeit
sind zwar grundlegende Gestaltungsprinzipien erkennbar, die wir
in unserer Beratung zur Geltung gebracht haben. Für die praktische
Anwendung und Umsetzung sind jedoch die unternehmerischen Erwartungen,
die an ein solches Instrument geknüpft werden, sowie seine
Handhabung und konkrete Ausgestaltung von unternehmenskulturellen
und strategischen Leitlinien abhängig. In TRA.FO konnten wir
diesbezüglich unternehmensseitig zwei Erwartungshaltungen und
Einstellungen beobachten:
- Im Vordergrund stand der Wunsch zur besseren
Nutzung der innovativen, motivationalen und qualifikatorischen
Potentiale der Beschäftigten. Es wurde ein eher ressourcenorientierter
Ansatz vertreten.
- Der Akzent wurde auf die (kurzfristige)
Kostenminimierung und Leistungssteigerung durch Gruppenarbeit
gelegt. Der Focus lag hierbei auf der rechenbaren Outputseite.
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Zwar sind letztere Erwartungen an Gruppenarbeit durchaus legitim.
Geraten sie aber zum vorherrschenden Gesichtspunkt, unter dem die
Ergebnisse der praktizierten Gruppenarbeit betrachtet und bewertet
werden, dann schwindet - so unsere Erfahrung - die Unsicherheitstoleranz
der Entscheidungsträger angesichts der sich abzeichnenden Veränderungen.
Mit dieser, nicht unbedingt durchgängig und offiziell verlautbarten
Einstellung waren wir insbesondere in jenen Fällen konfrontiert,
in denen Gruppenarbeit neu eingeführt werden sollte und eine
gänzlich neue Erfahrung darstellte. Für den Einführungsprozess
hatte diese Erwartungshaltung zur häufigen Folge, dass in kritischen
Situationen (akute Qualitätsprobleme, kurzfristige Erhöhung
von Abrufzahlen durch einen Kunden, Personalengpässe und Anderes)
der "Rückwärtsgang" eingelegt wurde: Steuerungs- und Kontrollkompetenzen
wurden den Gruppen (zeitweilig) wieder entzogen und im Management
konzentriert; die Gruppenmitglieder wurden auf ihre primär
produktiven Tätigkeiten beschränkt, die funktionale Arbeitsteilung
ausgebaut und das Prinzip der hierarchischen Unterstellung der Gruppen
betont (Unternehmen A und B)
Zum Zuge kamen also in kritischen Situationen
traditionelle Problembewältigungsmuster (Betonung von Hierarchie,
Kontrolle und funktionaler Arbeitsteilung), die den Gestaltungsprinzipien
von Gruppenarbeit genau entgegenlaufen. Solche Notmaßnahmen
waren nicht zwangsläufig Ausdruck einer grundsätzlichen
Ablehnung des ressourcen- und beteiligungsorientierten Problemlösungsansatzes
von Gruppenarbeit wie wir ihn vertreten haben. Ziel-, Prioritäten-
und Interessenkonflikte sind normale Bestandteile von komplexen
Veränderungsprozessen, die es in der Beratung zu moderieren
gilt. Und auch die Anpassung des zeit- und ressourcenintensiven
Beratungs- und Qualifizierungsprozesses an die kurzfristigen Anforderungen
des Alltagsgeschäfts war mit unserem bedarfgerechten Beratungsansatz
zu vereinbaren (zur Rolle und zum Selbstverständnis der Beratung
siehe Kapitel 4.8).
Zu bedenken ist allerdings, dass die
Einführung von Gruppenarbeit und ähnlich tiefgreifender
Organisationsveränderungen für alle Beschäftigten
eine gravierende Verunsicherungsqualität besitzt (z. B. im
Wandel vom gewohnten EinzelkämpferInnentum der AkkordarbeiterInnen
zur qualitätsbewussten Teamarbeit). Kontinuität in den
Anforderungen, sichtbare Verpflichtung des Managements auf das Veränderungsziel
und Transparenz über Zielabweichungen sind damit Bedingungen
für die Sicherung von Motivation und Veränderungsbereitschaft
der Beschäftigten. Wurden gruppenrelevante Entscheidungen nicht
ausreichend kommuniziert hinsichtlich ihrer unternehmerischen Notwendigkeit
und ihrer zeitlichen Befristung, unterhöhlten sie nachhaltig
die motivationale Basis von Gruppenarbeit (siehe Kapitel 4.5.).
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Wir konnten jedoch beobachten, dass
die oben genannte leistungs- und kostenorientierte Erwartungshaltung
im Management in der Tendenz mit einer Kommunikationsschwäche,
dem Ausbleiben von wertschätzenden Signalen und einem Mangel
an sichtbarer Selbstverpflichtung auf die Prozessziele einherging.
Hinzu kam eine offensichtliche Geringschätzung des Fachqualifikationsaspektes
von Gruppenarbeit: die Verbreiterung der Qualifikationsprofile der
Gruppenmitglieder (insbesondere Einrichterkenntnisse und Fähigkeiten
zur Qualitätskontrolle) als Voraussetzung für einen flexiblen
Arbeitseinsatz in der Gruppe wurden mit Verweis auf betriebliche
Belange zu häufig verschoben. In den Unternehmen A und B mussten
wir aus diesen Gründen den Prozess als gescheitert betrachten
und haben ihn mehr oder weniger einvernehmlich mit der Geschäftsführung
vorzeitig beendet. Die tiefere Ursache für das Nichtgelingen
der Veränderung sehen wir jedoch nur zum Teil in den jeweiligen
Führungspersönlichkeiten und ihrem Hang zu konventionellen
Managementkonzepten gelegen. Hinzu kommen eine Reihe von restriktiven
Rahmenbedingungen des unternehmerischen Handelns (Marktposition,
Kunden- und Produktprofil) deren Auswirkungen auf die Veränderungsprozesse
und den Beratungserfolg wir unter Kapitel 4.4. betrachten wollen.
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis,
die wir in TRA.FO gewonnen haben lautet deshalb:
Die Einführung von Gruppenarbeit
und vergleichbare Organisationsentwicklungsprozesse sind keine Maßnahmen
zum kurzfristigen Schreiben von schwarzen Zahlen. Vergleichbar mit
Investitionsgütern erfolgt der erwartete return on invest erst
in einer mittelfristigen Zeitperspektivesind längere "Abschreibungszeiträume"
zu veranschlagen. Die umfassenden Ratioeffekte von Gruppenarbeit
brauchen Zeit zu ihrer Entfaltung und einen entsprechend langen
Atem der Entscheidungsträger. Mut, Fehler- und Unsicherheitstoleranz
und (auch persönliche) Veränderungsbereitschaft sind allerdings
personale Kompetenzen, auf die wir insbesondere im Management nur
geringen Einfluss hatten.
Schweißer bei einem Pumpenhersteller
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4.4. Rahmenbedingungen,
Marktposition, Wettbewerbsfähigkeit
Die marktmäßigen
Rahmenbedingungen der Unternehmen gaben einerseits den Ausschlag
für den akuten Veränderungsbedarf und setzten andererseits
den Veränderungsressourcen zum Teil enge Grenzen. Die relevanten
Merkmale dieser Rahmenbedingungen waren die Art der Kunden- und
Lieferantenbeziehungen, der Ausgestaltung des relevanten Absatzmarktsegments
und, damit zusammenhängend, aus dem Profil der Produkte. Drei
Unternehmen (Zulieferer für die Automobilindustrie; Systemanbieter
und Endhersteller A, B und C) konnten diesbezüglich als relativ
unselbständig gelten: es bestand eine große Abhängigkeit
von wenigen Großkunden. Von einem Marktpotential und einer
wirklichen Handlungsfähigkeit auf dem Markt konnte aufgrund
der Nachfragedominanz kaum mehr gesprochen werden. Die Produkte
waren entsprechend einfach, standardisiert, wenig wissensintensiv,
wurden in großen Stückzahlen erstellt und erbrachten
verhältnismäßig geringe Erträge. Die starke
Integration in die Wertschöpfungskette der Kunden bedingte
ein regelrechtes Diktat der Lieferbedingungen - kurzfristige Abrufmeldungen,
schwankende Abrufzahlen, ständiger Preisdruck, Prozesskontrolle
durch Zertifizierungsverfahren (DIN EN ISO 9000ff und TS 16949).
Es waren genau diese Bedingungen, die den Ausschlag für den
Veränderungs- und Beratungsbedarf gegeben haben - bei Nichterfüllung
drohte beständig die Gefahr des Verlustes von Kundenbeziehungen,
die auf dem Markt kaum zu ersetzen waren.
In Abgrenzung zu diesen Unternehmen
konnte in den überwiegenden Fällen von relativer "Selbständigkeit"
gesprochen werden. Auch hier bestand die Notwendigkeit sich an die
Kundenanforderungen anzupassen. Die Kombination von einigen Faktoren
wie
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- größeres Kundenspektrum,
- überwiegende Fertigung von hochwertigeren
Endprodukten,
- Innovationspotentiale der Produkte wie auch
des Unternehmens
- relative Marktmacht
gaben den Unternehmen aber eine relative Stabilität
und Handlungsfähigkeit, die sich positiv auf den Prozessverlauf
ausgewirkt hat.
Unmittelbar prozessrelevant war die unselbständige,
prekäre Marktposition, insofern sie eine immer wieder virulent
werdende Konkurrenz um die personellen und zeitlichen Ressourcen
zwischen dem zum Teil zeitintensiven Veränderungsprozess
und dem Alltagsgeschäft ("Produzieren auf Teufel komm raus")
bedingte. Darauf konnte allerdings in der Regel mit einer Streckung
der Planung geantwortet werden. Es war ein Grundsatz unserer Arbeit,
in Abstimmung mit dem Kunden ein ausgewogenes Verhältnis
von "Bewahren" (der Handlungsfähigkeit) und "Verändern"
(der Organisation) zu gewährleisten.
Bedeutender war hingegen eine festzustellende
Korrelation zwischen dem Faktor Marktposition und einer grundlegenden
"Veränderungs- und Lernfähigkeit" der Unternehmen.
Über die personellen "Spielräume"
hinaus verfügten die als selbständig bezeichneten Unternehmen
in weit höherem Maße über eine Reihe von Veränderungskompetenzen,
die den Erfolg maßgeblich mitbefördert haben. In erster
Linie ist hier eine - in unterschiedlichem Ausmaß - vorhandene
Sensibilität hinsichtlich des Wertes des "Humankapitals" zu
nennen. Diese Sensibilität kam, unabhängig vom Beratungsprozess
in der tradierten Unternehmenskultur, im jeweiligen Führungs-
und Kooperationsverständnisses, in der betrieblichen Qualifizierungspraxis
aber auch im Selbstverständnis und im Selbstbewusstsein der
Beschäftigten zum Ausdruck. Solche "wertschätzenden" Strukturen
konnten unseres Erachtens besonders in Unternehmen wachsen, die
von Haus aus eine wissensintensive Wertschöpfung betreiben
und sich auf dynamischen, traditionell Flexibilität erfordernden
Märkten bewegen. In diesen Fällen konnte sich offensichtlich
- sehr allgemein gesprochen - ein sich selbst verstärkender
Kreislauf aus hochwertigen Produkten, Unternehmenserfolg und mitarbeiterInnen-
und potentialorientierten Managementkonzepten herausbilden.
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Umgekehrt tendierten die eingeschränkt
handlungsfähigen Unternehmen mit einfachen Produkten und geringerem
durchschnittlichen Qualifikationsniveau zu eher konventionellen
Problemlösungsstrategien, wie wir sie oben beschrieben haben.
Es war für uns jeweils nur schwer
einzuschätzen inwieweit solches Kurzfristmanagement, die schlicht
notwendige Konsequenz der objektiven, kurzfristig wirkenden Handlungszwänge
der Geschäftsleitung war, oder ob diese äußeren
Handlungszwänge sich zu einer verinnerlichten Veränderungsskepsis
ausgewachsen haben - mit der Befürchtung einen fatalen Kontroll-
und Steuerungsverlust im Management zu erleiden. Verbal wurde der
Wille zur Gruppenarbeit nie wirklich in Frage gestellt.
Ein Indiz für die mentale, auf
Gewohnheit beruhende Veränderungsskepsis enthält die beobachtete
Veränderungsbereitschaft von jüngeren Führungskräften.
In zwei Unternehmen (D und E) gingen im Rahmen eines Generationenwechsels
in der Geschäftsführung (vom Vater auf den Sohn) entscheidende
Impulse zu einem mitarbeiterInnenorientierten Führungsstil
von der neuen Geschäftsführung aus. Hier stand am Ausgangspunkt
der Veränderungsmaßnahmen die explizit geäußerte
Absicht, "es nicht so machen zu wollen wie der Vater". In einem
anderen Unternehmen (F) gingen von einem Generationenwechsel im
mittleren Management entscheidende Impulse zur Wiederbelebung des
stockenden Gruppenarbeitsprozesses aus.
Die fertigungstechnologische Ausstattung
spielte als bedingender Faktor der Veränderungsprozesse nur
eine untergeordnete Rolle. Das heißt alle Unternehmen hatten
bereits einen Rationalisierungs- und Innovationsprozess hinter sich
gebracht und einen Standard erreicht, der in den 90er Jahren als
Mindestzugangsvoraussetzung zum Markt betrachtet werden kann. In
diesem Zusammenhang wurde in der Vergangenheit ein mehr oder weniger
starker Personal(kosten)-Abbau betrieben - mit der Folge dass der
Personalbedarf durchgängig nur sehr knapp gedeckt war.
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4.5. Arbeitsbedingungen, Motivation,
Arbeitszufriedenheit
Beteiligungsorientierte
Organisationsformen wie Gruppenarbeit bauen, hinsichtlich der mit
ihnen verbundenen Leistungserwartungen, maßgeblich auf dem
motivierten, selbstbestimmten Handeln der Beschäftigten auf
und sind zugleich die Grundlage auf der Engagement und Eigeninitiative
gedeihen kann. Wie wir bereits im Kapitel "Qualifikation und Beteiligung"
betont haben ist die Ressource "Motivation" aufgrund des "menschlichen"
Bedürfnisses, die übertragenen Dinge gut und richtig zu
machen grundsätzlich vorhanden. Wir konnten durchweg feststellen,
dass das Interesse der Beschäftigten, den eigenen Kopf zugunsten
der Prozessoptimierung über das gewohnte Maß hinaus zu
benutzen groß war, und die eingeräumten Handlungsspielräume
begrüßt wurden. Ausschlaggebend dafür, dass die
mit der Gruppenarbeit verbundenen Leistungserwartungen erfüllt
wurde war deshalb ein Handlungsrahmen, der dem motivierten Handeln
einerseits eine klare und nachvollziehbare Orientierung gab: dazu
gehören Zielvereinbarungen und die Kommunikation der Unternehmensziele
als Orientierungspunkt, Anreizsysteme zur Ausrichtung auf gewünschtes
Handeln und eine wertschätzende Haltung der Führung. Andererseits
musste der Handlungsrahmen die notwendigen zeitlichen, sachlichen,
qualifikatorischen und informationellen Ressourcen in ausreichendem
Maße zur Verfügung stellen.
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Dieses Verständnis von motivierten
Handeln ist uns wichtig:
Eigeninitiative und Leistungsbereitschaft
sind nur zum geringen Teil Ergebnis der persönlichen, direkten
"motivierenden" Ansprache durch die Führungskräfte. Die
Leistungseffekte motivierten Handelns entstehen vielmehr unter der
Bedingung von relativer Handlungsfreiheit, die die Übernahme
von wirklicher Verantwortung ermöglicht und die Art und Weise
der Zielerreichung weitgehend der eigenständigen Vereinbarung
durch die Gruppe überlässt. Motivation ist demnach zum
großen Teil eine Frage der Handlungsbedingungen und damit
der Organisation!
Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass
scheinbarer Mangel an Motivation oder das Nichterbringen erwarteter
Leistung in der Regel nicht als ein persönliches, individuelles
Problem betrachtet werden sollte.
Augenfällig wurde dieser Zusammenhang
von Motivation und Handlungsbedingungen in dem Maße, wie die
Gruppenmitglieder selber Ansprüche an eine "gute Leistung"
bzw. an ihre Arbeitszufriedenheit entwickelt haben:
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Als herausfordernd und motivierend
wurde die neuartige Chance erlebt das erweiterte und angereicherte
Aufgabenprofil mit größtmöglicher Effizienz zu bewältigen.
Die eröffneten Handlungs- und Interventionsmöglichkeiten
(direkte Kommunikation auf kurzem Wege, Finden eigenständiger
Problemlösungen, Feinplanung von Arbeitsschritten nach Maßgabe
der Bedingungen vor Ort, Arbeitszeitplanung unter Berücksichtigung
von eigenen Bedürfnissen) erbrachten nicht nur eine Reihe von
Ratioeffekten. Sie führten in vielen Fällen auch zu einem
neuen Selbstbewusstsein und zu einer Art Produzentenstolz der Gruppenmitglieder,
aus dem heraus Ansprüche und Erwartungen an die umgebende Organisation
und ihre Dienstleistungsfunktion für die Gruppe gestellt wurden.
Voraussetzung für die effiziente
und motivierte Leistungserbringung durch die Gruppen ist daher die
Abstimmung aller Prozesse im Rahmen eines Auftragsdurchlaufs. Nur
unter dieser Bedingung kann die anspruchsvolle "Nachfrage" der Gruppe
an ihre "Peripherie" befriedigt werden (Gegenstand der Nachfrage
sind insbesondere die flüssige Versorgung mit Material und
Werkzeug, flexibler Wartungsservice und rechtzeitige Informationen
über Auftragseingänge).
Auch wenn das Veränderungsthema Gruppenarbeit
heißt, so leitet sich daraus ein umfänglicher Veränderungs-
und Anpassungsbedarf in der gesamten Organisation ab. Wir mussten
jedoch feststellen, dass unter den oben beschriebenen restriktiven
Geschäftsbedingungen und einer primär kurzfristigen
leistungs- und kostenorientierten Erwartungshaltung diesem Veränderungsbedarf
mit dem Verweis auf "betriebliche Belange" und mangelnde Ressourcen
oftmals kein Vorrang eingeräumt wurde. Mit der Folge, dass
in kritischen Situationen die berechtigte Erwartungshaltung der
Gruppe nicht erfüllt werden konnte (Unternehmen A und B).
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Problematisch waren dabei weniger die konkreten
Friktionen an den Schnittstellen, wie beispielsweise stockende
Informations- und Materialflüsse. Sie ergeben sich zwangläufig
aus dem betriebenen "Systemwechsel". Veränderungsprozesse
verlaufen nicht synchron und Abstimmungsprobleme haben daher für
die Steuerungsgruppe eine wichtige Orientierungsfunktion hinsichtlich
des weiteren Gestaltungsbedarfs. Ausschlaggebend für die
"Stimmung", die Veränderungsbereitschaft und das Engagement
der Beschäftigten war vielmehr die grundsätzliche Haltung
der Geschäftsleitung zum vereinbarten Veränderungsziel:
Welcher Veränderungshorizont wird für alle Beteiligten
sichtbar in Aussicht gestellt? Werden wertschätzende Signale
ausgesandt? Besteht eine sichtbare Selbstverpflichtung und Veränderungsbereitschaft
der Geschäftsleitung? Werden die sachlichen Bedarfe und die
persönlichen Bedürfnisse der Gruppen aufgegriffen und
auf die Tagesordnung gesetzt?
Umsetzungsprobleme bis hin zur vorzeitigen
Beendigung der Beratung hatten unseres Erachtens zum Teil mit einem
Mangel an diesen Führungskompetenzen zu tun. Auf die Interventionsstrategien
der BeraterInnen und eventuelle Beratungsschwächen und Auftragsklärungsprobleme
kommen wir im Kapitel 4.8 zu sprechen.
Wie sehen nun die Ergebnisse im Hinblick
auf die Arbeitsituation, die Motivation und die Arbeitszufriedenheit
der Beschäftigten konkret aus?
Der Umfang der gruppenarbeitsspezifischen
Merkmale war in den jeweiligen Unternehmen stark durch die Produktprofile
und die eingesetzte Fertigungstechnologie bedingt: Arbeitsanreicherung,
funktionale Flexibilität und Feinplanung konnten in Fertigungsprozessen
mit wenigen Fertigungsschritten, einfachen Produkten und geringer
Produktvarietät verständlicherweise kaum oder gar nicht
zur Geltung gebracht werden. Die Gruppenverantwortung bezog sich
in diesen Unternehmen (die Zulieferer A und B) in erster Linie auf
das Erstellen von Urlaubs- und Arbeitseinsatzplänen, auf die
Qualitätskontrolle und auf das Erstellen von Schichtübergabeprotokollen.
Die oben beschriebene Problematik einer latenten Veränderungsskepsis
und starkem Produktionsdruck in diesen Unternehmen verbunden mit
geringen Gestaltungsspielräumen in den Gruppen führte
dazu, dass die jeweiligen Facharbeiter (Einrichter) und Meister
ihre Schlüsselpositionen und ihr Fachwissen zu wahren suchten.
Der Betrieb war auf sie angewiesen und so konnten sie mit der (mehrmals
wahr gemachten) "Drohung" sich anderweitig zu bewerben der Integration
in die Gruppe und der damit verbundenen Übernahme auch einfacher
Tätigkeiten entziehen. Besonders in kritischen Situationen
(Störungen, Personalausfälle) führte diese informelle
Hierarchie in den Gruppen zu Spannungen und Konflikten - noch verschärft
durch die Praxis des Gruppenakkords. Das vereinbarte Ziel der Einführung
eines Prämienlohnsystems für die Gruppen konnte nicht
erreicht werden.
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Im Gegensatz dazu entfaltete sich in Betrieben
mit einer anspruchsvolleren Wertschöpfungskette eine positive
Dynamik: die Verantwortung für die Feinplanung und die Fähigkeit
zum flexiblen Arbeitseinsatz beförderte ein Engagement, dass
sich nicht nur in größerer Arbeitszufriedenheit und
der Identifikation mit der Gruppe und ihren Produkten äußerte,
sondern auch das Verbesserungswesen auf Touren hielt.
In allen Unternehmen wurde mit der
Gruppenarbeit eine Intensivierung der Arbeit konstatiert. So fielen
zum Beispiel früher Maschinenausfälle oder Materialmangel
nicht in den Verantwortungsbereich des Werkers; die Verbindung zum
Instandhaltungsservice oder zum Lager lag nicht in seinem Einflussbereich.
Durch das Prinzip der kurzen Wege und über die erworbene Qualifikation
(Entstörung, Wartung, Einrichten) erlangten die Gruppenmitglieder
eine Reaktionsfähigkeit, die ihnen so manche "Pause" nimmt.
Zudem haben sie mit Blick auf die Gruppenprämie ein unmittelbares
Interesse an den Maschinenlaufzeiten, so dass sie im Zweifelsfalle
Druck bei den Servicefunktionen machen und derweil andere Tätigkeiten
suchen.
Diese Intensivierung der Arbeit wurde
in den Fällen nicht weiter kritisch beurteilt, in denen sie
Folge eines transparenten und in gewissem Ausmaße steuerbaren
Prozesses war und sich letztlich positiv auf die Prämie auswirkte.
Nicht zu verkennen war allerdings der gestiegene Druck auf das soziale
Gefüge der Gruppen. Spannungen in den Gruppen entzündeten
sich an vermeintlichen "Egoisten", "Eigenbrödlern" und sogenannten
Leistungsgeminderten, die durch ihr Verhalten die Prämie gefährdeten.
Große Anforderungen stellte dieses Konfliktpotential an die
sozialen Kompetenzen der Gruppensprecher; ebenso aber an die Unterstützungsleistungen
der Vorgesetzten. Sie haben maßgeblichen Anteil daran wenn
die gestiegene Arbeitsbelastung nicht zu einem dauerhaft "raueren
Ton" in den Gruppen führt. Eine Ppraktizierte Hilfe war in
diesem Zusammenhang das schriftliche Vereinbaren von Spielregeln
für kritische Situationen wie die Urlaubsplanerstellung oder
für (persönliche) Konflikte zwischen Gruppenmitgliedern.
In den Fällen, wo an der Qualifikation und der begleitenden
Betreuung von Gruppensprechern (Moderation von Gruppensitzungen)
aufgrund betrieblicher Belange gespart wurde, führten solche
Spannungen verständlicherweise zu erheblichen Reibungsverlusten.
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4.6. Beschäftigung
und Personalbedarf Die quantitative
Beschäftigungsentwicklung in Abhängigkeit von den Veränderungsprozessen
waren für uns nur teilweise absehbar. Betriebsbedingte Kündigungen
bzw. das Nichtverlängern von befristeten Arbeitsverhältnissen
hat es nur in einem Unternehmen mit prekärer Marktposition und
negativem Geschäftsergebnis gegeben. In aller Regel wurden die
Ratioeffekte nicht in eine Korrektur des Personalbedarfs übersetzt.
Die erzielte Verbesserung der Produktivität und die Erhöhung
der Ausstoßpotentiale mit dem Ergebnis stabilisierter und neuakquirierter
Kundenbeziehungen führte vereinzelt sogar zu dem gegenteiligen
Problem: Die Unternehmen F und G konnten ihren qualitativ veränderten
Personalbedarf über den externen Arbeitsmarkt nicht zufriedenstellend
decken. Hier machte sich nicht nur der allgemein beobachtete Fachkräftemangel
geltend (nach Aussage eines Personalverantwortlichen mitbedingt durch
die ländlichen, vermeintlichen wenig attraktiven Betriebsstandorte).
Hinzu kamen Defizite hinsichtlich der neuerdings formulierten Anforderungen
an die sozialen Kompetenzen der BewerberInnen (Teamfähigkeit).
Im Unternehmen A verschärfte sich darüber
hinaus die Personalsituation aufgrund der Wegbewerbung qualifizierter
MitarbeiterInnen (Einrichter). Die vermutliche Ursache hierfür
lag im Zusammenspiel eines stockenden und frustrierenden Veränderungsprozesses,
eines sich verschlechternden Betriebsklimas und unsicherer Beschäftigungsaussichten
angesichts einer sich abzeichnenden Insolvenz des Unternehmens.
Wir sehen darin ein Beispiel für die oben aufgestellte Behauptung,
dass beteiligungsorientierte Veränderungsprozesse eine soziale
Dynamik aus Erwartungen und Ansprüchen in Gang setzten, die
nicht ohne weiteres zurück zu nehmen ist.
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4.7.
Kooperation und die Rolle der betrieblichen Interessensvertretung
Über die institutionelle
und arbeitsmarktpolitische "Nähe" von Arbeit und Leben zu den
Organen der ArbeitnehmerInnenvertretung (Gewerkschaften und Betriebsräten)
hinaus waren die Gremien der betrieblichen Interessensvertretung -
neben den Geschäftsleitungen - unsere "natürlichen" Ansprech-
und Kooperationspartner bei der Realisierung unserer Projektziele:
Die Zielsetzung einer Förderung von nachhaltigen
betrieblichen Beteiligungsstrukturen über die Einbindung der
MitarbeiterInnen im zeitlich befristeten Beratungsprozess hinaus
überschneidet sich weitestgehend mit der Interessenslage, dem
Auftrag und den im Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) verbrieften
Rechten der Betriebsräte. Angesichts der Tatsache, dass "Beteiligung"
keine Instrument zur Vermeidung von Interessenskonflikten ist und
ebenso wenig eine Garantie für spontanen Konsens gewährt,
war aus unserer Sicht ein starker, kompetenter und insofern kooperationsfähiger
Betriebsrat die Gewähr für eine echte Beteiligungspraxis
im betrieblichen Alltag. Unabhängig davon war die Mitarbeit
eines Betriebsratsmitglieds (sofern ein Gremium existent war) in
der Steuerungsgruppe in keinem Fall und von keiner Seite strittig.
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Darüber hinaus ist Qualifizierung und die
Aufwertung von Kompetenzen in mitarbeiterInnenorientierten Arbeitsformen
ein strategisches Ziel, an dem beide Seiten - die Geschäftsleitung
und der Betriebsrat - ein sich überschneidendes Interesse haben
und insofern Anlass für eine wirkliche Kooperation darstellt,
die wiederum gerade den Betriebsrat in seinem Selbstverständnis
und seinem Status gegenüber den KollegInnen wie auch gegenüber
der Geschäftsleitung stärken kann. Diese Kooperationserfahrung
anlässlich der Entwicklung und Umsetzung eines Gruppenarbeitskonzeptes
wurde von den Betriebsräten durchweg als sehr positiv bewertet
und zum Teil auch als neuartig bezeichnet.
Im Gegensatz zu der sonst weit verbreiteten
Praxis eines bloß punktuellen, reaktiven Handels (beispielsweise
anlässlich der Anordnung von Überstunden) und einer eher
defensiven Strategie war das Projekt "Gruppenarbeit" dazu geeignet
in eine wirkliche Kooperation einzusteigen. Sie zeichnete sich durch
eine frühzeitige Beteiligung in der Planungsphase, durch Verhandlungsspielräume
angesichts einer vielschichtigen Thematik sowie durch vertrauensbildende
Kontinuität und Langfristigkeit aus.
Maßgeblich für die erfolgreiche und
beide Seiten zufriedenstellende Kooperationspraxis waren natürlich
auch die bisherige Kooperations- bzw. Konfrontationserfahrungen.
Hier gab es "starke" und "schwache" Betriebsratsgremien, solche
die geschlossen auftraten und erfahren waren und solche die in ihrer
Rolle und Handlungsweise unsicher waren. Dem gegenüber standen
Geschäftsleitungen die schon in der Vergangenheit auf sachliche
und faire Kooperation setzten und solche, die im Betriebsrat ein
notwendiges, möglichst zu umgehendes Übel erblickten.
Die Moderation der Kooperation konnte gegebenenfalls vieles zur
Entspannung und zur Versachlichung der Beziehung beitragen. Insofern
beinhaltete die Beratung auch einen Lernprozess für die betrieblichen
Sozialpartner in Sachen konstruktiver Zusammenarbeit.
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Als wichtiges Ergebnis bezüglich der (gestärkten)
Rolle des Betriebsrates erachten wir die Veränderungen bzw.
Ergänzungen im Anforderungsprofil:
Zu bedenken ist, dass Formen einer stärkeren
Delegation von Kompetenzen, Handlungsspielräumen und Verantwortung
Elemente einer "Mitbestimmung in der ersten Person" mit sich bringen.
Im Rahmen von gruppeninternen Regelungen zur Arbeitszeit oder im
Zusammenhang mit Zielvereinbarungen zwischen Vorgesetzten und Gruppen
müssen sich die Beschäftigten in einem viel größerem
Ausmaße "selbst vertreten". Diese unmittelbarere Kommunikation
zwischen dem mittleren Management (Fertigungsleiter, Projektleiter)
und den Gruppen kann durchaus das traditionelle Handlungsfeld des
Betriebsrates als "Repräsentant" der Beschäftigten in
allen Fragen des Arbeitsverhältnisse berühren.
In gleichem Maße gelangt der Betriebsrat
aber auch in die Rolle, die anspruchsvoller werdenden arbeitspolitischen
Rahmenbedingungen mitzugestalten: Mit der Gruppenarbeit tauchen
Fragen der angemessenen Entlohnung, der Leistungskriterien, der
Eingruppierung und des innerbetrieblichen Aufstieges auf, für
die es Lösungen zu finden gilt. Er bewegt sich damit auf einem
Terrain, dass traditionell überwiegend tarifpolitisch reglementiert
war (entsprechend sind auch die örtlichen Gewerkschaften in
ihrer Dienstleistungsfunktion sowie in ihrer arbeitspolitischen
Flexibilität gefragt).
Diese Notwendigkeit zur arbeitspolitischen Neuverortung
des Betriebsrates im Unternehmen lässt eine aktivere Informations-
und Kommunikationspolitik gegenüber der Belegschaft sinnvoll
erscheinen: Einerseits darf er nicht durch das Prinzip der kurzen
Wege von wichtigen Informationen ausgeschlossen werden. Andererseits
muss er darauf achten durch den intensiveren Kontakt zum Management
nicht die Tuchfühlung zur "Basis" zu verlieren - denn seine
Legitimation kann er nur über sie erfahren.
Ein mit der Projektarbeit und der Beratung sehr
zufriedener Betriebsratsvorsitzender äußerte sich diesbezüglich,
dass das Thema Gruppenarbeit einen zeitlichen Arbeitsaufwand für
das gesamte Gremium mit sich gebracht hat, der auf Dauer nicht zu
bewältigen sei. Umso wichtiger werden für den Betriebsrat
zukünftig Kompetenzen in den Bereichen effektiver Arbeitsorganisation,
internes "Projektmanagement" und "Öffentlichkeitsarbeit". (Im
Kapitel 5 stellen wir kurz die Seminarangebote in TRA.FO dar, mit
denen wir auf diese Anforderungen reagiert haben.)
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Abschließend bleibt es keine Frage, dass
bei allem auf Kooperation basierendem Gestaltungshandeln das traditionelle,
auch mit konfrontativen Mitteln arbeitende Schutzhandeln der Betriebsräte
nicht seine grundsätzliche Bedeutung verloren hat. Im besten
Falle hat sich lediglich das Verhaltenrepertoire der Betriebsräte
erweitert - mit der zusätzlichen Entscheidungsverantwortung,
wann welches Register zu ziehen ist. 4.8.
Rolle und Interventionen der externer BeraterInnen
4.8.1.
Grundlagen der Beratung Auf die Bedeutung
und Funktion einer systematischen Beteiligung der Beschäftigten
an organisatorischen Entwicklungsprozessen haben wir im Kapitel 3.
hingewiesen. Neben dem eigentlichen Beratungs- und Qualifizierungsauftrag
haben wir als unsere herausragende Aufgabe angesehen, diese Beteiligung
zu gewährleisten und zu organisieren. In erster Linie handelte
es sich dabei um die Schaffung von verbindlichen Strukturen der Kommunikation,
der Meinungsbildung und des Informationsflusses quer zu der etablierten
Aufbauorganisation mit ihren funktionalen und hierarchischen Gliederungen
(Linien, Abteilungen, Stäbe). Zentrales Beteiligungsorgan war
die jeweilige Projekt- oder Steuerungsgruppe, in der VertreterInnen
aller für das Veränderungsziel relevanten Personengruppen
saßen: betrieblicher Projektleiter/Geschäftsführung,
Betriebsratsmitglied, GruppenvertreterInnen bzw. zu Beginn MitarbeiterInnen
aus dem prospektiven Gruppenfertigungsbereich und die/der externe
BeraterIn. Je nach Stand des Prozesses und der anstehenden Themen
konnten wichtige Personen hinzugezogen werden.
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Die Bedeutung der Steuerungsgruppe als Kern
der Projektorganisation machte sich an folgenden Punkten fest:
- Auf ihrer Grundlage konnten gezielt Ressourcen
aus der Unternehmensorganisation für den Veränderungsprozess
eingefordert und beansprucht werden.
- Ihre Existenz war ein sichtbares Zeichen
für die Ernsthaftigkeit und Verbindlichkeit des angestrebten
Veränderungszieles.
- Sie stellte einen geschützten Raum
dar, in dem alle Beteiligten über ihre bestehende Rollen
und Funktionen hinaus Lernende und Akteure im Veränderungsprozess
sein konnten.
Grundsätze der Beratungsarbeit waren:
- Beteiligung der MitarbeiterInnen
- Respekt vor der Einzigartigkeit der Organisation
(keine Angebote von der Stange)
- Respekt vor Meinungen, Interessen und Widerständen
- Gewährleistung einer angemessenen Komplexität
in der Abbildung des Systems
- Veränderung als Lernprozess
Die Interventionsweisen der BeraterInnen bestanden
aus:
- einer erfahrungsgesättigten Vermittlung
von Beispielen "guter Praxis" in Sachen Gruppenarbeit
- der Moderation von Meinungsbildungsprozessen
und Entscheidungsvorbereitungen in der Steuerungsgruppe
- dem Ausgleich und der Vermittlung anlässlich
von (Interessens-) Konflikten
- der Entwicklung von "Spielregeln" für
kritische Standardsituationen
- der Qualifizierung der GruppensprecherInnen
in den Bereichen Moderation von Meinungsbildungs- und Entscheidungsfindungsprozessen,
Organisation von Teams und soziale Kompetenzen
- der Betreuung der Gruppen, anfängliche
Moderation von realen Gruppensitzungen
Werkzeugbau bei einem Pumpenhersteller
4.8.2.
Zielorientierung und Unsicherheitstoleranz im Prozess Die
Veränderung musste von den Klienten gewollt werden. Diese scheinbar
banale Voraussetzung erwies sich in manchen Prozessen als wenig selbstverständlich.
Zu Beginn der Kooperationen standen in unterschiedlichem Ausmaß
Erfahrungen und Vorstellungen zu mitarbeiterInnenorientierten Formen
der Arbeitsorganisation. Einige Unternehmen hatten Gruppenarbeit bereits
eingeführt und waren an einer Ausweitung bzw. Optimierung oder
an der Implementierung eines angepassten Entlohnungssystems interessiert.
Bei anderen stand ein akuter Problemdruck im Vordergrund und die Information
(bezogen aus erfolgreichen Beispielen in der Wirtschaft), dass Gruppenarbeit
ein hilfreiches Instrument zur Bewältigung dieser Probleme sein
könnte.
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Gerade
im letzteren Falle war der Veränderungswille und die Veränderungsbereitschaft
insbesondere der Geschäftsleitung implizit und unausgesprochen
selber Entwicklungsgegenstand der eingegangenen Kooperation. Das Einverständnis
- im Anschluss an eine erste Orientierungs- und Situationsklärungsphase
- die Arbeitsorganisation, zumindest in einem Pilotbereich, auf Gruppenarbeit
umzustellen besaß im Rückblick nicht mehr, als einen formalen
Auftragsbestätigungscharakter. Das ist nicht unbedingt negativ
zu bewerten - die damit verbundene Haltung des "mal sehen" kann unter
den gegebenen Umständen mangelnder Erfahrung ein durchaus positives
Signal beinhalten. Allerdings war sie nur undeutlich von einer distanzierten
Haltung des "macht mal" zu unterscheiden, mit der wir im Unternehmen
A konfrontiert waren. In jedem Falle erhöhte sich für alle
Beteiligten (inklusive der BeraterInnen) die "Unsicherheit" im Prozess.
So sehr es theoretisch wünschenswert ist und in der Praxis auch
angestrebt wurde, zu Beginn Klarheit über die gemeinsamen Ziele,
ihre Implikationen und die beabsichtigten Ergebnisse zu erlangen,
so sehr wurden sie im Prozess immer wieder virulent und zum Objekt
von Abwägungen und Aushandlungen.
Weil kein extern vorgefertigtes Konzept implementiert
werden sollte, konnten auch die BeraterInnen den betrieblichen Akteuren
nicht im Detail sagen, was sie erwartet. Der Prozess erforderte
also eine große Unsicherheitstoleranz und den Mut aller Akteure.
Diese im Rückblick für uns wichtige "persönliche
Kompetenz" der Führungskräfte kann sich gemeinhin in einem
Zusammenspiel aus positiven Erfahrungen mit kooperativen Führungsstilen,
einer Fähigkeit zur Visionsbildung und einer persönlichen
Disposition entwickeln. Ein "Mangel" bezüglich dieser Kompetenz,
wirkte sich nach unserer Erfahrung nachteilig auf die allgemeine
Konfliktfähigkeit im Zusammenhang mit dem Auftreten von (normalen
und unvermeidlichen) kritischen Situationen aus, in denen sich Einfluss-
und Verteilungsfragen stellten oder Handlungsprioritäten (z.
B. "Produzieren" versus "Qualifizieren") ausgehandelt werden mussten.
Die entsprechenden Konfliktstrategien waren von einem "Rückzug"
auf vermeintlich sicheres und bekanntes "Management-Terrain" einer
kontroll- und hierarchiebetonenden Führungsweise gekennzeichnet.
Bezeichnend für diese Haltung war die Aussage eines Fertigungsleiters
im Unternehmen A anlässlich schleppender Erfolge und wachsender
Unzufriedenheit der Gruppenmitglieder, dass zumindest die Hierarchien
noch funktionieren würden und auf sie Verlass seien.
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Wir betrachten es im Nachhinein selbstkritisch,
dass wir im allgemeinen dem Veränderungs- und Qualifizierungsbedarf
der Führungskräfte im Zusammenhang mit der Einführung
von Gruppenarbeit nicht ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt haben.
Der Focus der BeraterInnen lag auf der Arbeit mit den Gruppen und
in der Steuerungsgruppe, in der gerade in den problematischen Beratungsfällen
bezeichnender Weise kein Entscheidungsträger saß (oder
nur sporadisch). Unter Umständen ist dies die mögliche
Kehrseite eines beteiligungsorientierten Beratungsansatzes - vertreten
von "arbeitnehmernahen" BeraterInnen: Eine "gläserne Veränderungsgrenze"
zwischen der operativen und der Managementebene des Unternehmens.
Die Beziehung der betreffenden Beraterin zur Geschäftsführung
war im Unternehmen A durch ein beständiges "Sich-Abarbeiten"
geprägt. Die kooperative und konstruktive Sacharbeit in der
Steuerungsgruppe mündete in Entscheidungsvorlagen, die von
der Geschäftsführung nur zögerlich und oder gar nicht
bewilligt wurden. (Bemerkenswerterweise führten die beständigen
und hartnäckigen Forderungen an die Adresse der Geschäftsführung,
die Gruppenarbeit aktiv zu unterstützen nicht ihrerseits zur
genervten Aufkündigung des Beratungsauftrages und der Kooperation
in TRA.FO. Ganz im Gegenteil wurde zunehmend deutlich, dass die
Geschäftsführung ganz allgemein auf die Vermittlungsaktivitäten
der externen Beratung angewiesen war, und ihr auch ausdrücklich
ihre Wertschätzung bekundet hat. Nur sie war nämlich noch
in der Lage über ihren "guten Draht" zu den Beschäftigten
auch unangenehme Entscheidungen (z. B. Mehrarbeit) zu vermitteln
und, wenn auch widerwillige Zustimmung (u.a. beim Betriebsrat) zu
organisieren oder Konflikte zu schlichten.)
Solche Vermittlungstätigkeiten können
durchaus zum Aufgabenprofil einer externen Beratung gehören
- in dem Moment wo diese jedoch zum Selbstzweck bei gleichzeitiger
Auszehrung des Veränderungsprozesses wurden, galt es die Entscheidung
zu treffen, nicht als quasi lebenswichtiges Organ in das Unternehmen
inkorporiert zu werden. Das Ziel sich selbst tragender Kooperations-
und Beteiligungsstrukturen konnte hier offensichtlich nicht mehr
erfolgsversprechend verfolgt werden.
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5.
TRA.FO MultiplikatorInnenseminare
5.1 Konzeptüberlegungen
Betriebsräte sind für die
betriebliche Weiterbildung wichtige Akteure. Sie verfügen über
rechtliche Möglichkeiten Einfluss auf die Weiterbildungsanstrengungen
zu nehmen und haben aus ihrer Funktion heraus ein Interesse an einer
guten Weiterbildungspraxis. Das Seminar: Weiterbildung als Handlungsfeld
für Betriebsräte (BR+) wurde entwickelt,
um die Betriebsräte für dieses Thema stärker zu sensibilisieren
und zu qualifizieren. Wir haben dieses Angebot insgesamt zweimal durchgeführt.
Im Folgenden wollen wir das Seminar "BR+" ausführlicher
darstellen, um vor dem Hintergrund der gemachten Erfahrungen den neuen
Seminaransatz ("Gestaltungskompetenz für Betriebsräte")
zu begründen. Betriebsräte
haben per Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) Mitwirkungsmöglichkeiten
im Bereich der beruflichen Bildung. Dem Betriebsrat stehen mit den
§§ 96 ff. des BetrVG Möglichkeiten der Einflussnahme
auf verschiedene Bereiche der Weiterbildung offen. Er soll unter anderem
die berufliche Bildung der ArbeitnehmerInnen im Rahmen der betrieblichen
Personalplanung fördern. Es
gibt unterschiedliche Formen, die Mitwirkung zu organisieren. Der
Abschluss von Betriebsvereinbarungen mit dem Arbeitgeber, die Betreuung
eines Betriebsratsmitgliedes mit Berufsbildungsfragen oder die Gründung
eines gemeinsamen Berufsbildungsausschusses können hier genannt
werden. Diese
Gestaltungsmöglichkeiten des Gremiums standen im BR+
- Seminar bewusst nicht im Vordergrund. Die Unterstützung von
Betriebsräten in Fragen der Geltendmachung von Mitspracherechten
ist gemeinhin Leistungsbestandteil der zuständigen Gewerkschaften.
Als gewerkschaftsnahe Bildungsinstitution war es unser Anliegen Interesse
und Sensibilität für das Thema Weiterbildung in Betriebsratsgremien
zu fördern. Die dahinter liegende Überlegung war, dass damit
einerseits vitale Interessen der Beschäftigten angesprochen werden
können (im Sinne des oben beschriebenen TRA.FO-Ansatzes). Andererseits
bieten sich Fragen der Weiterbildung und insgesamt der Personalentwicklung
in besonderem Maße als Kooperationsgegenstand zwischen
Geschäftsführung und Betriebsrat an. Aus zwar unterschiedlichen
Interessenskalkülen heraus haben Geschäftsführung und
Betriebsrat ein gemeinsames Interesse an einer Stärkung und Ausweitung
der Wissens- und Kompetenzbasis des Wertschöpfungsprozesses.
In Anlehnung an den Projektansatz lässt sich die Schnittmenge
der Interessen wie folgt skizzieren:
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Die Kooperation zwischen Arbeitgebern und Betriebsräten wird
durch das mögliche Entstehen einer Verteilungsfrage nicht beeinflusst,
denn vom Status quo aus betrachtet und bewertet enthält der
dann erreichte Zustand einen höherer Grad an wechselseitiger
Interessenrealisierung. Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite können
ihre Sicherungsinteressen erzielen und zusätzlich
Verteilungsinteressen aushandeln. Betriebliche
Weiterbildung ist also ein prinzipiell kooperationsfähiges
Thema, das auch Kooperationsgewinne erwarten lässt. Ein
wichtiger Aspekt bei der Beschreibung einer Kooperation ist, welche
Leistungen die Beteiligten einbringen. Die Skepsis über die Zusammenarbeit
von AG und BR drückte ein Teilnehmer im BR+ Seminar
wie folgt aus: "Ein
Huhn und ein Schwein beschließen, eine Kooperation zum Zweck
der Ham and Eggs-Produktion aufzunehmen. Am nächsten Tag kommt
das Huhn mit einem Ei zum Schwein und sagt: Hier ist meine Kooperationsleistung.
Jetzt bist Du dran. Ergo: Bei Kooperationen wird immer einer aufgefressen."
Kooperationsleistung
des Betriebsrates: Die
Kooperationsangebote des Betriebsrates können sich auf drei Bereiche
beziehen. Er kann eine Weiterbildungsinitiative unterstützen,
indem er
- Vertrauen bei den ArbeitnehmerInnen schafft,
- seine Kompetenz und die Nähe zu den
Beschäftigten einbringt,
- auf Blockadestrategien verzichtet und eine
andere Kooperationsform ausprobiert.
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Die Nähe zu den Arbeitnehmerinnen
und Arbeitnehmern, das Vertrauensverhältnis, dass zwischen den
Betriebsräten und den Beschäftigten besteht, ist eine Qualität,
die die Arbeitgeberseite häufig nicht hat. Insbesondere in Fragen
der Bedarfsermittlung, bei einer individuellen Qualifikationsdefizitbeschreibung
der Beschäftigten, muss die Arbeitgeberseite davon ausgehen,
dass nicht immer die realen Qualifikationsbedarfe genannt werden.
Ein strategisches Verhalten der Beschäftigten aus Furcht vor
negativen Folgen von benannten Qualifikationsdefiziten ist wahrscheinlich.
Bei
einer von Betriebsrat und Arbeitgeber getragenen Initiative wird das
gemeinsame Interesse an Fragen der Qualifikation der Beschäftigten
deutlich. Kooperationsleistung
des Arbeitgebers: Die
Kooperationsleistung des Arbeitgebers besteht darin, dass er den Betriebsrat
gleich an der Entwicklung der Qualifikationsinitiativen beteiligt.
Die Auseinandersetzung mit dem Betriebsrat knüpft zwar an die
rechtlich-formalen Kommunikationsformen an, orientiert sich jedoch
in erster Linie an den fachlichen Inhalten und den betrieblichen Notwendigkeiten.
Diese
Form der Zusammenarbeit kann nur in einem Bereich gelingen, in dem
ein gewisse Interessenkongruenz ausgemacht werden kann. Hier kann
- so unsere Einschätzung - eine neue, problemorientierte Form
der Zusammenarbeit entstehen.5.2
Form und Inhalte des Seminars Das
Seminar hatte die Form eines Bildungs-Jour-Fixes. Diese Form ermöglicht
den betrieblichen Alltag in das Seminargeschehen einzubeziehen. Zwischen
den Seminaren hatten die Teilnehmenden Aufgaben zu erfüllen,
die im Zusammenhang mit den Themen des nächsten Seminartages
standen. So sollten die Teilnehmenden im Betrieb ein Gespräch
über Weiterbildung mit einem Beschäftigten vorbereiten und
durchführen. Die Ergebnisse wurden am 4. Seminartag vorgestellt
und wurden als Einstieg in das Thema "Das Weiterbildungsgespräch"
genutzt.
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Es
wurden fünf Themenbereiche bearbeitet, die für Betriebsräte,
die sich mit Weiterbildung beschäftigen, eine zentrale Bedeutung
haben:
- Bedeutung von Weiterbildung vor dem Hintergrund
industriellen Wandels Warum Weiterbildung?
- Grundzüge der Personalplanung und -entwicklung
- Weiterbildung aus Arbeitgebersicht
- Überblick über die "Weiterbildungslandschaft"
- Was gibt es, worauf muss bei den Weiterbildungsmaßnahmen
geachtet werden?
- Das Beratungsgespräch im Betrieb -
Wie erfährt der Betriebsrat von Bildungsdefiziten und Weiterbildungsnotwendigkeiten?
- Weiterbildung als Aufgabe für den Betriebsrat
- Wie kann der Betriebsrat in Fragen der Weiterbildung sinnvoll
mitgestalten? Welche Strategie gibt es, um ArbeitnehmerInneninteressen
wahrzunehmen?
Diese Themenbereiche durch verschiedene
Methoden bearbeitet: Gespräche mit Experten, Diskussion verschiedener
Herangehensweisen aus verschiedenen Betrieben und durch Einzel- und
Gruppenarbeit. Das
Seminar ist so angelegt, dass die Anwendbarkeit der vermittelten Inhalte
im betrieblichen Alltag im Mittelpunkt steht.5.3
Seminarziele Es lassen sich drei
Zielebenen ausmachen: 1.
Ebene: Ein Ziel dieses Seminars ist es, einen anderen Blick auf den
Bereich Weiterbildung zu werfen. Es sollen neue Ideen und Anregungen
vermittelt und ausgetauscht werden, um damit die Arbeit der Betriebsräte
in diesem Bereich zu unterstützen. 2.
Ebene: Gleichzeitig soll mit dem Seminar die Sensibilisierung der
Teilnehmenden für die Bedeutung von Weiterbildung erreicht werden.
3.
Ebene: Es soll der Blick auf eine problemorientierte Handlungsstrategie
im Bereich Weiterbildung im Betrieb gelenkt werden. Die Vorteile von
Kooperation statt Konflikt, von sachorientierter statt rechtlich-formaler
Herangehensweise werden deutlich.
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5.4
Fazit Die Auswertung der durchgeführten
Seminare hatte ergeben, dass die Vermittelung des Themas Weiterbildung
nicht an den tatsächlichen Arbeitsproblemen der Betriebsräte
ansetzt. Die Veranstaltungen und die behandelten Themen wurden als
sehr gut von den Teilnehmenden bewertet, doch die Umsetzung der neuen
Erkenntnisse in Betriebsratshandeln war in den meisten Fällen
nicht möglich. Die Idee, die Betriebsräte für eine
aktiv-gestaltende Rolle als Kooperationspartner der Geschäftsführung
zu qualifizieren, war nicht über die Vermittlung von Fachkompetenzen
(Thema: Weiterbildung) zu erreichen. Schwierigkeiten in der Organisation
der BR-Arbeit und Probleme bei der Formulierung und Verfolgung von
Zielen, standen einer erfolgreichen Umsetzung im Weg. Die
Weiterentwicklung des Seminars "BR+" heißt "Gestaltungskompetenz".
Eine
Aktivierung der Betriebsräte über die stärkere Thematisierung
betrieblicher Weiterbildung führte nicht zu ausreichenden Erfolgen,
weil unterschiedliche Probleme in der BR-Arbeit dies sehr erschwerten.
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Gegenstand
von "Gestaltungskompetenz" ist eine Qualifizierung zur besseren Gestaltung
von Prozessen in der BR-Arbeit. In diesem Seminar wurde ein stark
individualisierter Ansatz gewählt. Mit der Arbeitsform des Selbstgesteuerten
Lernens konnten die Teilnehmenden eigene Fragen bearbeiten. Die Teilnehmenden
haben an eigenen relevanten Themen eine Planung durchgeführt.
Sie konnten sich von den SeminarleiterInnen, die als LernberaterInnen
fungiert haben, und von den anderen Teilnehmenden unterstützen
lassen. Methodische Inputs der LernberaterInnen gab es zu den Themen:
- Analyse von Problemen
- Organisation der eigenen Arbeit
- Entwickeln von individuellen und kollektiven
Zielen
- Beteiligung von Betroffenen
- Moderation von Diskussionen
- Zeitplanung
- Kontrolle der Zielerreichung
Dieses Seminar wurde zweimal durchgeführt
und war im Hinblick auf den Transfer in die BR-Arbeit erfolgreich.
Die vorgeplanten Prozesse konnten größtenteils in die BR-Arbeit
überführt und gute Ergebnisse erzielt werden. Die
Zielsetzung, Betriebsräte für eine aktiv-gestaltende Funktion
zur Sicherung von Arbeitsplätzen zu qualifizieren, wird mit diesem
Ansatz besser erreicht als mit der Thematisierung von Weiterbildung.
Die Arbeitsweise, die aus dem Ansatz von Gestaltungskompetenz resultiert,
ist aber sehr anspruchsvoll und zeitaufwendig. Letztlich
ist die Fähigkeit Prozesse zu organisieren aber Voraussetzung,
um wirksam Weiterbildung und andere arbeitsplatzsichernde Initiativen
zu gestalten.
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6.
Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse - Bewertung der Projektzielerreichung
6.1
Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, Sicherung von Beschäftigung
Die Herstellung eines kausalen und
nachprüfbaren Zusammenhangs zwischen Bildungsinvestitionen
(Kosten) und finanziellem "Bildungsnutzen" ist nur äußerst
lückenhaft möglich. Das betriebliche Bildungscontrolling
ist eine junge Disziplin, an die große Erwartungen im Sinne
von rechenbaren Kosten-Nutzen-Aussagen für den Bereich betrieblicher
Weiterbildung geknüpft wird - und die sie kaum zur Zufriedenheit
"herkömmlicher" ControllerInnen erfüllen kann. Dies dürfte
mit der wichtigste Grund sein, weshalb Bildungsinvestitionen immer
noch einen schweren Stand in vielen Unternehmen haben.
Betrachtet man jedoch den Wettbewerb
nicht ausschließlich als eine "Kommunikationsform" die lediglich
Kosten und Preise als Argumente gelten lässt, sondern auch für
andere "Werte" sensibel ist, dann erscheinen die Ergebnisse schon
in einem anderen Licht.
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Eine überaus positive Resonanz von Beschäftigten
wie Geschäftsführung hat es in der Folge jener Maßnahmen
gegeben, die sich mit der Bewältigung von kritischen Situationen
im unmittelbaren oder mittelbaren Kundenkontakt befasst haben. Als
kritisch erweisen sich jene Situationen, in denen sich kurz- oder
mittelfristig Kundenpräferenzen und "Kaufentscheidungen" ausbilden
oder bestätigen.
Qualifizierungsthemen mit dieser Qualität
konnten ein "einfaches" Telefontraining sein, das Führen von
Verkaufsgesprächen, der Umgang mit der Arbeitsbelastung im
sozialen Sektor (Pflege) oder die komplexe innerbetriebliche Bewältigung
von Kundenaufträgen, wie sie in der Gruppenarbeitspraxis anstand.
Der Blick auf kritische Situationen mit den entsprechend zu definierenden
kritischen, erfolgsbedingenden Aufgaben wird in dem Maße für
den Unternehmenserfolg bedeutsamer, wie sich die Kundenanforderungen
dynamisieren und ein Dienst nach Plan und Vorschrift ins Leere läuft.
Die Erfolgserlebnisse der Beschäftigten
in ihrem "Kerngeschäft" bei der Bewältigung kritischer
Situationen mit unmittelbarer Kundenrelevanz wurden von den Geschäftsleitungen
"spontan" als Indizien für den richtigen Weg aufgefasst. In
zwei Unternehmen aus dem Projektbereich "Arbeitsorganisation" wurde
der Zusammenhang aus Qualifizierung, Organisationsentwicklung und
gestärkter Wettbewerbsposition darüber hinaus augenscheinlich:
Großkunden konnten mittels verbesserter Lieferkonditionen
zurück gewonnen bzw. gehalten werden. (Gerade die Geschäftsführung,
des oben kritisch betrachteten Unternehmens A äußerte
sich diesbezüglich eindeutig: Ohne die mit der Gruppenarbeit
erreichten Produktivitätssprünge hätte der wichtigste
Kunde - ein Systemhersteller in der Automobilindustrie - nicht gehalten
werden können; umso bedauerlicher ist es, dass der eingeschlagene
Weg nicht eigenständig fortgesetzt werden konnten. Das implizite
Ziel jeder externen Beratung sich mittelfristig entbehrlich zu machen
konnte hier nicht erreicht werden.)
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Bei jenen Maßnahmen, die sich mit der
Neupositionierung auf dem Markt befassten (Entwicklung einer strategischen
Kooperation im Bauhandwerk und Beratung und Qualifizierung im Rahmen
einer Expansionsstrategie eines kleinen Handelsunternehmens) sind
die positiven Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit am
offensichtlichsten.
Weniger ausgeprägt ist die augenscheinliche
Wettbewerbsrelevanz bei einer Anzahl von durchgeführten Fachqualifizierungen
insbesondere im EDV-Bereich. Der Bedarf bestand hierbei in erster
Linie in Form einer nachholenden Anpassungsqualifizierung im Zuge
Datenverarbeitungs- und Kommunikationstechnischer Investitionen.
Diese Maßnahmen haben wir überwiegend unter dem Aspekt
der Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit der MitarbeiterInnen
betrachtet und für förderwürdig gehalten. Die erworbenen
Qualifikationen sind in der Regel "marktgängig" und können
nicht nur in Abhängigkeit vom aktuellen Unternehmen angewendet
werden. 6.2
Sensibilisierung für des Thema betriebliche Weiterbildung Die
Einsicht in die grundsätzliche Bedeutung verstärkter und
gezielte Qualifizierungsanstrengungen war von Anfang an in den Unternehmen
relativ stark ausgeprägt. Allein die Bereitschaft der Geschäftsführung
am Projekt TRA.FO teilzunehmen zeugte schon von einer gewissen Offenheit
für diese Art der Investition. Unterschiede tauchten also weniger
bei der Frage des Ob, sondern bei der Frage des Wie
auf (wie umfassend, wie intensiv, wie zeitaufwändig).
Gemäß unserer Überzeugung, dass
Qualifizierungsprozesse Lernprozesse sind, die nicht als einfache
Input-Output-Verhältnisse zu verstehen und zu handhaben sind,
haben wir in unserer Bildungsberatung ein Schwergewicht auf die
Transfersicherung der Lerninhalte in das Arbeitsfeld gelegt. Transferbeeinflussende
Faktoren sind die Motivation der Lernenden zur Veränderung
ihrer Tätigkeits- und Aufgabenprofile, die Praxisrelevanz des
Gelernten, die Anpassung der sachlichen und funktionalen Arbeitsorganisation
an die gewünschte neue Praxis, die "Fehlerfreundlichkeit" der
Lern- und Arbeitsumgebung.
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Aufgrund der geführten Auswertungsgespräche
sind wir sicher, dass wir in vielen Fällen über die Thematisierung
und Anregung entsprechender qualifizierungsbegleitenden Maßnahmen
eine Sensibilisierung der Entscheidungsträger für den
Bedingungsreichtum von Lernprozessen erreicht haben. Als sehr lern-
und anwendungsförderlich hat sich die empfohlene Vermittlung
der übergeordneten Ziel- und Funktionszusammenhänge der
Qualifizierungsmaßnahme durch die Führungskräfte
bewährt. Insbesondere bei jenen Fachinhalten, die auch eine
Einstellungs- und Verhaltensänderung in Richtung Qualitätsbewusstsein
oder Kundenorientierung erfordern wurde die Zufriedenheit der Lernenden
- ein notwendiger, wenn auch nicht hinreichender Erfolgsfaktor -
merklich erhöht.
Bei den umfangreicheren Maßnahmen, denen
eine umfassende Problem- und Bedarfsanalyse vorausging und die Veränderungen
sowohl auf der organisatorischen wie auf der qualifikatorischen
Ebene beinhalteten, erachten wir es als bedeutsam, eine qualifizierungsorientierte
Interpretation des Problemdrucks angeregt zu haben. Auch
wenn wir mit diesem Beratungsimpuls meistens auf offene Ohren gestoßen
sind, so hat doch die externe Begleitung oft den erforderlichen
langen Atem unterstützt. Die Beratung fungierte hier als beständiges
Korrektiv zu den Impulsen eines "Kurzfristmanagements", den begleitenden
Aufwand zu Lasten der Nachhaltigkeit der Qualifizierung zu minimieren.
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7.
Anhang: Statistiken
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